Wie sieht die Zukunft wirklich aus?

Die Geschwindigkeit, mit der wir konsumieren, nimmt stetig zu. Für Marken wird es zunehmend schwieriger, in einer sich ununterbrochen verändernden Welt ihre Relevanz zu behaupten. Die preisgekrönten Getty Images Art Direktoren hingegen sehen diese Entwicklung als Chance.

„Diese turbulenten Zeiten treiben eine kreative Revolution voran“, sagt Senior Art Direktorin Gemma Fletcher, die mit Fotografen aus aller Welt atemberaubende Bilder erarbeitet. „Diejenigen, die heutzutage Bilder kreieren, lehnen Nostalgie ab und entwickeln stattdessen eine neue visuelle Ästhetik, die ihre Vision der Zukunft abbildet – eine Zukunft, in deren Zentrum die Technologie steht.“

Fletcher erkennt vier grundlegende Aspekte, die die Entwicklung in eine ‚unbekannte Zukunft‘ vorantreiben:

1. Das kollektive Bewusstsein

In den letzten zehn Jahren haben wir uns sowohl konzeptionell als auch bildlich oft auf das Prinzip der Nostalgie verlassen, um den Konsumenten zu erreichen und einzubinden. Während im vergangenen Jahrhundert jede Dekade ihre eigene, klar definierbare kreative Subkultur hervorgebracht hat, zeichnet sich das 21. Jahrhundert durch den Aufstieg der Landhaus-Kultur aus, einem Schmelztiegel für verschiedenste Ideen und Ästhetiken aus der Vergangenheit.

Das Internet als grenz- und kulturübergreifendes Medium hat eine Umgebung geschaffen, in der Ideen über Nacht entwickelt und verbreitet werden können. Hier entsteht ein kollektives, globales Bewusstsein, das uns alle verbindet, dem es aber gleichzeitig an einem eindeutigen Stil mangelt, der unserer Ära eigen sein könnte.

2. Anti-Nostalgie

Diese Bewegung experimentiert mit Technologie und definiert so neue Regeln für die Visualisierung der Zukunft. Sie basiert auf einer Rebellion gegen Nostalgie und dem kollektiven Bedürfnis, etwas radikal Neues und Unvorhersehbares zu erleben. Das Unbekannte willkommen heißen, tradierte Konventionen ablehnen und sich die Entwicklungen aus Technologie, Kunst und Wissenschaft zu eigen machen – so konstruiert die Bewegung eine visuelle Sprache, die unsere Zeit charakterisiert.

3. Digital DIY

Technologie ist eine treibende Kraft bei der Erstellung von Bildern. Wie in vielen anderen Bereichen entsteht auch hier eine Do-it-yourself-Kultur, in der technikaffine Menschen hacken, coden und umgestalten, um eine neue Ästhetik aufzudecken. Ein Beispiel hierfür ist die Kampagne von Nick Knight für Lane Crawford, in der er 3D Scans und Motion Capturing kombinierte und so eine Serie von Bildern produzierte, ohne ein einziges Foto zu schießen.

Hierbei geht es ebenso um Ästhetik wie um den Prozess. Die Bildermacher experimentieren mit Stilen, um dem Publikum etwas Überraschendes zeigen zu können.

4. Das Ungesehen einfangen

Technologische Entwicklungen haben es möglich gemacht, Dinge bildlich darzustellen, die bis dato ungesehen bleiben mussten. In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2016 arbeitet die japanische Agentur Dentsu an einer Kampagne, in der verschiedene Sportarten, unter anderem Fechten, mithilfe von hochsensiblen Sensoren visualisiert werden. So werden Bewegungen auf den Bildschirm gebracht, die zu schnell für das menschliche Auge sind.

Ebenso spannend sind Entwicklungen wie Datenbrillen, Drohnen oder das VR-Headset Occulus Rift. Sie werden als die nächsten großen Tech-Trends gehandelt und eröffnen Kreativen immer neue Möglichkeiten zur Darstellung des Unbekannten. Hier zeigt sich eine neuartige visuelle Ästhetik, in deren Zentrum die Technologie steht.

Es sind diese aufrüttelnden Ideen, die unsere Vorstellung davon prägen, wie die Zukunft aussehen wird.