Ob in Social Media Feeds, in Zeitschriften oder Anzeigen – jedes Bild, das wir sehen, beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen. Aber ist es uns auch möglich zu prognostizieren, mit welcher Art von Bildern wir es im nächsten Jahr zu tun haben werden?

Ja.

Jedes Jahr analysiert das global aufgestellte Getty Images Creative Team mit seinen Art Directors, Researchern und visuellen Anthropologen Daten aus Millionen von Bildern, die über Getty Images lizenziert wurden sowie über eineMillarde Suchanfragen auf der Getty Images Website. Zusätzlich untersuchen sie bedeutende Ereignisse aus den Bereichen Medien, Popkultur, Werbung und Kunst. Die Ergebnisse fassen sie in einem Forecast der visuellen Trends zusammen, der sehr genau die Art von Bildern identifiziert, die wir in den kommenden Wochen und Monaten sehen werden.

Worauf sie dabei gestoßen sind, könnte Sie überraschen.

Die Forecasts des letzten Jahres waren überall zu sehen, in preisgekrönten Werbekampagnen ebenso wie in Kunstgalerien auf der ganzen Welt. So konnte man den Technologie-getriebenen Trend Extended Human in verschiedenen Ausprägungen beobachten, darunter auch bei einem der aufregendsten Fashion-Events, bei der Ausstellung und Gala des Kostüminstituts des Metropolitan Museums of Art, die in diesem Jahr unter dem Motto stattfand Manus X Machina: Mode im Zeitalter der Technologie. Der Trend Messthetics war 2016 sowohl in der Nike Liquid Kampagne als auch in den aktuellen, farbintensiven MacBook Pro Spots von Apple zu sehen. Aber auch Genderblend, ein Trend, den wir 2014 angekündigt haben, hat sich dieses Jahr weiterentwickelt, als die US-Zeitschrift CoverGirl ihren ersten Cover Boy auf der Titelseite gebracht hat.

Was wird uns also in 2017 erwarten?

Hier sechs Trends, die uns im kommenden Jahr begleiten werden:

  1. Virtuality – Der Ursprung dieses Trends liegt in den allgegenwärtigen sozialen Medien. Instagram hat gezeigt, welch unersättlichen Hunger wir nach Inhalten haben, die unser Leben unmittelbar aus der Ich-Perspektive dokumentieren. Die bahnbrechenden Erfolge von Storys, die wir über Snapchat und Instagram konsumieren, haben diese Entwicklung sogar noch vorangetrieben. Unbearbeitet, impulsiv und größtenteils ungestellt – wir kommunizieren auf einer unglaublich authentischen Ebene. Es scheint fast so, als wäre ein Filter entfernt worden und als könnten wir das Leben aus der Perspektive eines anderen leben. Der Trend Virtuality baut genau auf dieser Ästhetik auf. Wir sind jetzt Teil des Bildes und nicht mehr Betrachter. Wir sehen nicht mehr Dinge, wir erleben sie.

     

    1. Color Surge – Nachdem lange gedeckte Farbtöne und Vintage-Filter angesagt waren, stehen nun kräftige Farben wieder im Vordergrund. Ob monoton, schräg oder wunderbar komplementär – stellen Sie sich auf eine Flut an einzigartigen und dynamischen Farbkombinationen ein. Der Trend Color Surge zeigt auf, wie sich Fotografen von konventionellen Farbpaletten und allgemeingültigen Vorstellungen befreien können. Eine geschärftes Bewusstsein für visuelle Sprache bedeutet, dass wir Farben nun so einsetzen können, wie wir das noch nie zuvor getan haben. Dabei brechen wir mit den Regeln und bringen unnatürliche Kombinationen hervor.

     

    1. Unfiltered – Mit dem Trend Unfiltered bewegen wir uns in Richtung einer dokumentarischen Ästhetik. Hier werden wir auf Marken stoßen, die sich der Sprache des Fotojournalismus bedienen, um mit aussagekräftigen Storys zu punkten. Seit 2004 beobachten wir, wie sich Authentizität in verschiedenen Formen immer wieder als Trend manifestiert. Zuletzt 2015, als mit dem Trend Outsider In Nonkonformismus die Herrschaft übernahm und wir den Antihelden hochleben ließen. Der Trend Unfiltered führt diese Entwicklung als Antithese auf die glänzende, erstrebenswerte Welt der Werbung ein gutes Stück weit fort.

     

    1. Gritty Woman – Während die Diskussionen um die Geschlechterrollen immer lauter wird, hat sich ein neuer Typ Frau etabliert, der gegen konventionelle Vorstellungen rebelliert. Sie wird als Kämpferin, als Feministin, als Phänomen abgebildet, die sich weniger um Äußerlichkeiten und vielmehr um Inhalte kümmert. Dieses Frauenbild ist aus einer Vielzahl anderer Trends entstanden, die wir identifiziert und dokumentiert haben. Dazu zählt unter anderem Female Rising, ein Trend aus dem Jahr 2013, der mit einer großen Nachfrage nach Bildern von wegweisenden Frauen und Mädchen jenseits gängiger Klischees verbunden war. Gritty Woman ist auch als Erweiterung von Genderblend zu sehen, ein Trend, der die fortschreitende Auflösung geschlechtsspezifischer Bilder in den Medien und der Gesellschaft dokumentiert hat. Ein Stückweit findet man auch Messthetics darin wieder, ein Trend aus dem Jahr 2016.

     

    1. Global Neighborhood – Die ständige Zirkuliation von Waren, Informationen und auch Menschen rund um die Welt verändert unsere Gesellschaft und auch die Art, wie wir Bilder rezipieren. Die Globalisierung schreitet ständig voran, weltweit müssen wir uns den Herausforderungen der Migration stellen. Das bedeutet, dass wir eine zunehmende Diversifikation der Protagonisten und der abgebildeten Nationalitäten beobachten werden. In einer sozial immer enger verbundenen und (virtuell) grenzenlosen Welt können wir keine Vermutungen mehr anstellen, was es bedeutet, von einem bestimmten Ort zu stammen. Kulturelle Identität wird zunehmend komplexer und flexibler. Global Neighborhood ist ein Trend, der sich diesen Zustand des Wandels zu eigen macht. Dabei werden unsere kollektiven kulturellen Identitäten weniger über unsere räumliche Herkunft definiert sondern vielmehr über unsere Überzeugungen.

     

    1. New Naivety – Die glatte und offensichtlich inszenierte Ästhetik, die die sozialen Medien bis dato geformt hat, wird nun von der Generation der Millennials abgelöst, die stattdessen visuelle Plattformen wie Instagram, Snapchat & Co. nutzen, um sich mit anderen auszutauschen. Bei New Naivety geht es um spontane und spielerische Bilder, die auch mal unbequem sein können. Wir werden sehen, wie sich Marken von einem glänzenden und kontrollierten Bild verabschieden und stattdessen auf Natürlichkeit, Spaß und Entspanntheit setzen. Bilder dieses Trends sind ungeschönt, echt und bringen Menschen zum Lachen.

     Erfahren Sie mehr über die Trends des kommenden Jahres im Getty Images 2017 Visual Trends Hub und laden Sie sich eine kostenlose Ausgabe des E-Books Creative in Focus 2017 herunter.