Von der Kunst, den einen besonderen Moment einzufangen, der für immer in unserem Gedächtnis bleibt.

Ein ereignisreiches Jahr für den deutschen Sport liegt hinter uns mit vielen emotionalen, unvergesslichen Momenten – Bastian Schweinsteigers tränenreicher Abschied aus der Nationalelf, Angelique Kerbers Eroberung des Tennisthrons als erste Deutsche seit Steffi Graf, Spannung, Jubel und Enttäuschung bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, die Überraschungserfolge während der Olympischen Spiele in Rio, Nico Rosbergs erster Formel 1-Weltmeisterschaftstitel und viele mehr.

Unsere Sport-Fotografen waren immer vor Ort und haben die Ereignisse auf und neben den Schauplätzen eingefangen. Was sie auszeichnet, ist neben jahrelanger Erfahrung, Expertise und Talent auch die Kunst, den einen besonderen Moment einzufangen, der für immer in unserem Gedächtnis bleibt.

Hier sind ihre Bilder des Jahres und die Geschichten, die sie erzählen:

„Schon vor Beginn seines Abschiedsspiels wurde es sehr emotional: Schweinsteiger weinte hemmungslos. Er war sichtlich bewegt.“ Lars Baron, Sportfotograf

„Nach 5 Wochen Dauereinsatz bei der Euro 2016 in Frankreich und 4 aufregenden, anstrengenden Wochen bei den Olympischen Spielen in Rio, versprach der Einsatz beim Test Länderspiel zwischen Deutschland und Finnland eine eher ruhige Angelegenheit zu werden. Freundschaftsspiele sind oft nicht so aufregend, aber dann stellte sich heraus, dass es das letzte Länderspiel von Bastian Schweinsteiger sein sollte. Schon vor Beginn seines Abschiedsspiels wurde es sehr emotional: Schweinsteiger weinte hemmungslos. Er war sichtlich bewegt.

Das Spiel selber war eher unspektakulär, die wichtigsten Szenen ereigneten sich nach dem Spiel. Schweinsteiger wurde zuerst von seinen Mitspielern auf Schultern getragen. Leider liefen sie nicht in meine Richtung, deshalb entschied ich mich, die Position zu wechseln. Und als ich gerade mit meinen drei Kameras hinter dem Tor stand, warfen seine Teamkollegen ihn in die Luft.

Ich griff meine Kamera mit dem 70-200 Zoom und fotografierte einhändig einfach drauf los.
Glücklicherweise war der Zoom genau auf die richtige Entfernung eingestellt. In der anderen Hand hatte ich meine Kamera mit dem langen Objektiv. In dem Moment, als Schweinsteiger in der Luft war, drehte er sich in meine Richtung und guckte direkt in meine Kamera – ich hatte mein Foto des Jahres. Für mich war es ein besonderer Moment, weil ich seine Karriere seit Jahren fotografisch begleite und vor allem während der WM in Brasilien sehr emotionale, persönliche Bilder von ihm einfangen konnte. Somit schloss sich an diesem Abend der Kreis.“

„Erst später erkannte ich, dass ich einen Moment festgehalten hatte, in dem die unterschiedlichen Persönlichkeiten dieser drei Ausnahmespieler einzigartig eingefangen sind.“ Alexander Hassenstein, Sportfotograf

„Ich hatte für das Ballon d’Or Event durch unsere Partnerschaft mit der FIFA einen exklusiven Zugang, d.h. ich durfte als einziger Fotograf nah an der Bühne arbeiten – direkt vor den Nominierten zum Weltfußballer des Jahres.

Christiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar setzten sich auf ihre Plätze – ein Stuhl zwischen Ronaldo und Messi blieb aber erstmal leer. Der Beginn der Show rückte immer näher und es machte sich Unruhe breit, weil keiner genau wusste, warum der Stuhl frei war und ob noch jemand kommen würde. Ich wollte unbedingt das Foto der drei Nominierten einfangen und ich wusste, dass ich nur noch wenige Sekunden Zeit habe. Was sollte ich machen? Warten und riskieren ohne Bild zu bleiben?

Plötzlich kam eine Frau näher und setzte sich auf den Platz. Es war Messis Freundin Antonella Roccuzzi. Ich fotografierte schnell einige Frames, bevor sich der Saal verdunkelte, und verschwand. Erst später erkannte ich, dass ich einen Moment festgehalten hatte, in dem die unterschiedlichen Persönlichkeiten dieser drei Ausnahmespieler einzigartig eingefangen sind.“

„Ich bin davon überzeugt, dass man manchmal Risiken eingehen muss, um etwas Besonderes, Neuartiges in seiner Fotografie zu erzielen.“ Adam Pretty

„Dieses Bild habe ich mit einer Canon 1dx Kamera aufgenommen, die mit einem 50mm f/1.2 Objektiv ausgestattet war. Dabei habe ich eine offene Blende und eine schnelle Verschlusszeit eingestellt, um den Skispringer ‚einzufrieren‘. Die Linse war ein bisschen schmutzig, was in Kombination mit der offenen Blende und dem grellen Stadionlicht einen schönen Lens-Flare-Effekt erzeugte.

Es war sehr wichtig, die Kamera vorab zu fokussieren, weil sich der Athlet beim Anlauf zum Sprung mit 100 km/h bewegte. Wenn man eine offene Linse verwendet, gibt es in einer Situation wie dieser sehr wenig Freiraum für Fehler. Aber ich bin davon überzeugt, dass man Risiken eingehen muss, um etwas Besonderes, Neuartiges in seiner Fotografie zu erzielen – und genau das habe ich mit diesem Bild versucht.“

“Ich liebe diese Momentaufnahme, in der alles perfekt zusammenkommt.“ Cameron Spencer

„Dieses Bild von Angelique Kerber wurde von einem Catwalk hoch über der Rod Laver Arena aufgenommen, nachdem sie das Finale gewonnen hatte. Ich erinnere mich, dass sie sehr aufgeregt war nach dem anstrengenden und sehr spannenden Final-Match gegen Serena Williams, die eigentlich die Favoritin war.

Ich liebe diese Momentaufnahme, in der alles perfekt zusammenkommt – die Siegerin auf dem Center Court, die ihre Trophäe küsst und glücklich für die große Schar an Fotografen und Medienleuten posiert. Ich habe das Blitzlicht von einem der Fotografen eingefangen und einige Scheinwerfer haben zusätzlich interessante Schatten geworfen aus unterschiedlichen Perspektiven.“

„Das ist technisch sehr anspruchsvoll und nicht jeder Versuch gelingt. Aber am Ende hat sich das Experiment gelohnt.“ Matthias Hangst

„Während der Olympischen Spiele in Rio war ich zusammen mit einigen Kollegen an der Copacabana für die Berichterstattung von Freiluftsportarten wie Rudern, Bogenschiessen, Triathlon oder Leichtathletik verantwortlich. Wir hatten vor Ort einen straffen Plan, was wir fotografieren mussten, aber manchmal ergab sich eine Lücke im Kalender.

An diesem Tag konnte ich im Olympiapark Barra Fechten, Turnen und Tischtennis fotografieren. Die Fechthallen bei Olympischen Spielen bieten oft tolle Lichtverhältnisse. Die Hintergründe sind meistens schwarz und es gibt eine schöne ausgewogene Spotbeleuchtung auf die Planche.

Ich war vormittags mit einem Kollegen vor Ort und wir hatten eine lange Liste mit Sportlern, die wir unbedingt fotografieren mussten. Aber es blieb auch noch genug Zeit, um ein bisschen zu experimentieren und ein paar kreative Aufnahmen auszuprobieren.

Dieses Bild ist eine Kombination aus einer sehr langen Belichtung, die leicht mitgezogen ist und dabei mit einem Zoomeffekt kombiniert wurde. Das ist technisch sehr anspruchsvoll und nicht jeder Versuch gelingt. Aber am Ende hat sich das Experiment gelohnt.“

Alle Sportbilder des Jahres 2016 finden Sie hier