Die meisten Fotografen werden nicht darin ausgebildet, Sprengstoff für die Royal Air Force zu fotografieren, aber Neilson Barnard ist auch alles andere als ein normaler Fotograf.

Barnard wuchs in Stow Maries auf, einer Kleinstadt in Essex an der Ostküste Englands, und trat mit 16 Jahren der britischen Luftwaffe (RAF) bei. Die darauffolgenden dreizehneinhalb Jahre reiste er mit den Sprengstoffentschärfern der RAF durch den Mittleren Osten, Europa und Afrika und fotografierte, wie er sagt, „so ziemlich alles, was Bumm macht“, um das RAF-Team bei der sicheren Entschärfung zu unterstützen. Die Bilder wurden ausschließlich zu diesem Zweck gemacht, Kreativität war hier weniger gefragt.

Heute fotografiert Barnard allerdings etwas andere Motive. Als Chief Entertainment Fotograf für Getty Images in Nordamerika ist er bei Premieren auf dem roten Teppich, Preisverleihungen und Produktausstattungen zugegen und fotografiert dort die wichtigsten Prominenten.

„Mein heutiger Job ist wirklich meilenweit von dem entfernt, was ich mal gemacht habe“, so Barnard. „Kein Tag ist gleich. An einem Tag bin ich in Dubai und am nächsten fotografiere ich das Sundance Film Festival. Ich finde das großartig.“

Als Barnard aus der RAF austrat, hatte er nicht den leisesten Schimmer, eines Tages die berühmtesten Stars Hollywoods zu fotografieren. Er zog nach New York, wo er ein Jahr lang im Hell’s Kitchen ein Restaurant leitete. In dieser Zeit machte er von seiner Kamera keinen Gebrauch bis ein Freund ihm vorschlug, mit ihm eine Platten Release Party im Nachtclub Limelight zu fotografieren. Obwohl er über zehn Jahre nichts anderes gemacht hatte, als zu fotografieren, fühlte er sich total blank.

„Ich wusste nichts von Weißabgleich oder Belichtung. Mir war auch überhaupt nicht klar, wie ich eine Blitzlicht-Anlage bedienen sollte“, sagte er. „Man merkt das den Bildern an. Erstaunlich, dass ich überhaupt etwas festhalten konnte.“

Die Erfahrung jedoch hatte enormen Einfluss auf ihn. Barnard wurde klar, dass er Fotograf werden wollte. Kurz darau zog er mit seiner Frau nach L.A., wo er ohne Portfolio bei der Bildagentur Picture Perfect als Anbieter unter Vertrag genommen wurde.

„Bis heute bin ich noch ganz erstaunt, dass sie mich angestellt haben“, sagte er.

Barnard kaufte sich eine Second-Hand-Kamera und so ziemlich jedes Buch, das er über Fotografie finden konnte, und ließ sich voll und ganz auf seinen neuen Job ein. Jeden Tag aufs Neue besuchte er Filmpremieren und Partys und gab sein Bestes „am Fuße des Totempfahls“, wie er sagt, wo er sich gemeinsam mit unzähligen anderen Fotografen drängte, um die Größen der Entertainment-Industrie auf dem roten Teppich einzufangen.

„Ich war in der dritten Reihe der Fotografen. Hier hielt ich die Kamera einfach über die Köpfe der anderen und versuchte, ein Bild zu machen“, sagte Barnard. „Die Tage, an denen ich es in die zweite Reihe schaffte, gehörten zu den besseren.“

Irgendwann gelang Barnard der Aufstieg. Er wurde zu einem Experten seiner Zunft und wurde auch von anderen Agenturen in L.A. unter Vertrag genommen. Und während eines Besuchs in New York kam er zu Getty Images.

„Es war während der Fashion Week“, sagte er. „Ich schlich mich in das Zelt im Bryant Park und bekam die Gelegenheit, mit einigen der Assignment Redakteure zu sprechen. Eines kam zum anderen und schließlich nahmen sie mich als Anbieter unter Vertrag.“

Barnard hat viele der weltweit berühmtesten und mächtigsten Menschen fotografiert, darunter auch US-Präsident Barack Obama, dem er 2016 zwei Mal begegnete. Seine liebste Arbeit aber von allen aber sind Aufnahmen von Kermit dem Frosch, Gonzo und anderen Muppets, die er 2008 bei FAO Schwartz fotografierte.

„Ich habe noch nie so viel gelacht beim Arbeiten“, sagte er.

In den letzten vier Jahren als Fotograf im Team von Getty Images erkannte Barnard, dass er mit den Veränderungen in der Branche nur mithalten konnte, wenn er sich ständig mit den neuesten Technologien auseinandersetzte. So nutzten er und seine Kollegen bei den diesjährigen Golden Globe Awards eine Roboterkamera, um die Stars beim Aussteigen aus ihren Limousinen zu fotografieren. Kein anderer Fotograf konnte etwas Vergleichbares liefern, da Fotografen dort nicht zugelassen waren.

„Ich bin der größte Nerd auf diesem Planeten und ich bin stolz darauf“, sagte Barnard. „Ich arbeite hart daran, anderen immer ein Stück voraus zu sein.“

Er kann sich nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu tun.

„Es kam schon ein paar Mal vor, dass ich bei einem Musikfestival mitten auf einem Acker stand, tropfnass, bis zu den Augen im Matsch, all meine Kameras in Plastiktüten gepackt und mich fragte, ‚Was mache ich da nochmal genau?’“, sagte er. „Aber das Gefühl geht schnell wieder vorbei. Denn ich liebe meinen Job.“

 

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