Dasrim Krasnici ist bekannter Fußballer-Friseur. Er hat sich die Frisuren der EM-Teilnehmer angesehen – und sein Haar-All-Star-Team für uns gewählt. Hummels ist nicht der einzige Deutsche in seiner Aufstellung.

Dasrim Krasnici: "Mats Hummels liegt im Trend – er kann die Haare lockig oder glatt tragen." (Foto: Dasrim Krasnici)
Dasrim Krasnici: „Mats Hummels liegt im Trend – er kann die Haare lockig oder glatt tragen.“ (Foto: Dasrim Krasnici)

Ozan Tufan dürfte unter Friseuren seit Sonntag sehr beliebt sein. Der türkische Abwehrspieler hatte im EM-Spiel gegen Kroatien im entscheidenden Moment (dem 0:1 durch Luka Modric) nicht den Gegner attackiert, sondern sich die Haare zurecht gewischt. Haare sind eben auch bei Fußballern ein wichtiges Accessoire – selbst im Angesicht eines Gegentores.

KENZO TRIBOUILLARD/AFP/Getty Images
KENZO TRIBOUILLARD/AFP/Getty Images

Dasrim Krasnici weiß das. Der 40-Jährige ist einer der beliebtesten Friseure unter Bundesliga-Fußballern. In seinem Düsseldorfer Salon schneidet er die Haare von Weltmeister Christoph Kramer, Dortmunds Jungstar Julian Weigl – oder Gladbachs Ex-Kapitän (nun: Arsenal London) Granit Xhaka. Krasnici kennt Köpfe wie Seelen der Fußballer: „Bei Frisuren ist es wichtig, dass sich die Spieler wohlfühlen“, sagt der Haarkünstler.

„Früher gab es Beckham, heute sind viele Spieler Trendsetter. Die Zahl der Modetrends hat sich vervielfacht, mehr Spieler sehen einzigartig aus. Es gibt viele Spieler mit verrückten Frisuren. Wie der Franzose Paul Pogba“, meint Krasnici.

Wir wollen vom Profi wissen, wer die modernste, die trendigste Frisur der europäischen Spitzenkicker bei dieser Europameisterschaft hat. Natürlich liegt „Schönheit im Auge des Betrachters.“ Hier ist seine subjektive Frisuren-Top-11 der EM – plus Trainer:

 

Mein Torwart: Yann Sommer (Schweiz)

Dasrim Krasnici: „Ich nominiere Yann Sommer als Torwart. Seine etwas längeren, rebellischen Haare passen super zu seinem Typ. Er ist ein toller Torwart, hat ein super Jahr hinter sich. Haare darf man nicht einfach schneiden, Form und Stil müssen zum Typ, zur Haarstruktur, zu Wirbeln passen. Das Schwierige ist, die richtige Frisur für den Typen zu finden. Und Yann Sommer macht das sehr gut. Ich finde ihn cooler als Gianluigi Buffon (Italien). Cool ist auch Bernd Leno (Deutschland) mit den unterschnittenen Seiten, dem etwas längeren Deckhaar. Da würde ich nichts verändern. Leno ist mein Ersatztorwart.“

Meine Abwehr: David Alaba (Österreich), Gerard Piqué (Spanien), Jerômé Boateng, Mats Hummels (Deutschland)

David Alaba ist ein super Typ. Der macht immer etwas Cooles mit seinen Haaren. Die aktuelle Frisur ist jung, frech – genau das zeichnet auch seine Spielweise aus. Über Geschmack lässt sich natürlich streiten, aber das Wichtigste ist, dass die Spieler sich wohl fühlen. Ein Haarschnitt gehört zur Mode: Und da kann man sich immer wieder neu erfinden. Das macht Alaba – und das ist doch toll!“

„Gerard Piqué hat eine wunderbar wuschelige und pflegeleichte Frisur. Das ist für einen Fußballer wichtig, um sich auf dem Platz nicht zu sehr mit der Frisur beschäftigen zu müssen. Wie Ozan Tufan.“

„Jérôme Boateng ist ein spektakulärer Spieler auf dem Platz – und außerhalb sehr modern, was seinen Stil betrifft. Aktuell trägt er die Haare etwas länger – mit einem leichten Undercut, wie die meisten Fußballspieler das so haben. Der strenge Seitenscheitel ist cool. Er kann ihn mit einem Anzug tragen, mit mehr Gel. Oder in der Freizeit mit Jeans im Schlabberlook, etwas gewuschelter mit Undercut. Und natürlich auf dem Feld.“

Mats Hummels hat die beste Frisur von allen EM-Spielern. Sein Schnitt liegt im Trend dieses Jahres: unisex, variabel, pflegeleicht. Mit ein bisschen Wachs kann man da gut arbeiten: Er kann die Haare eher lockig oder glatt tragen. Die Länge ist optimal – nicht zu lang und nicht zu kurz. Gerade für das lockige Haar ist das sehr sehr angenehm.“

Mein Mittelfeld: Marouane Fellaini (Belgien), Paul Pogba (Frankreich), Toni Kroos, Leroy Sané (Deutschland)

„Marouane Fellainis: Wuschelkopf ist supercool. Ich könnte ihn mir mit kurzen oder blonden Haaren nicht vorstellen. Auch hier erkennt man die Form: rund, nicht eckig geschnitten. Passt zu seinen markanten Zügen. Super. Ein auffälliger Schnitt auf dem Platz ist wichtig, das verstärkt die Präsenz. Denken Sie an Paul Breitners Afro oder Rudi Völlers Matte mit den Miniplis, den kleinen Locken – bei Völler übrigens Natur, keine Dauerwelle.“

„Bei Paul Pogba gefallen mir die aktuellen Farben gut. Sie sind nicht zu übertrieben. Er macht immer was Neues.“

„Toni Kroos hält es einfach und klassisch elegant. Schnörkelos. Wie sein Spiel.“

„Leroy Sanés Afro passt super zu ihm. Hatten wir in den 70ern, jetzt kommt der Afro zurück – dank ihm. Ich würde ihm nichts anderes vorschlagen. Sieht super aus. Solche Haare muss man in Form kämmen und freestyle schneiden. Die Wildheit ist geplant. Die Form muss erkennbar sein. Schneiden, sage ich immer, kann jeder. Nur in Formen denken, das kann nicht jeder. Und zu erkennen, welche Form zu welchem Typen passt.“

Mein Sturm: Mario Gomez (Deutschland), Zlatan Ibrahimovic (Schweden)

„Mario Gomez bleibt sich treu: Die Seiten stets unterschnitten, das Deckhaar bleibt immer etwas länger. Ich mag seinen generellen Style. Er ist ein sehr ansehnlicher Typ: groß, markante Züge – ein sehr schöner Mann.“

„Zlatan Ibrahimovic trägt seinen Dutt wie einen Samurai-Zopf – die Frisur eines Kriegers. Genau das passt zu Zlatan. Er ist einer der wenigen, der die Haare so tragen kann. Dieser Zopf sieht immer top aus und beim Spiel stören die Haare nicht. Zlatan ist einfach Weltklasse.“

Mein Trainer: Joachim Löw

„Jogi Löw ist mein Favorit bei den Trainern. Er hat eine zeitlose Frisur. Länger, unisex, top. Coleman (Wales), Conte (Italien) oder Storck (Ungarn) gefallen mir nicht so gut, weil ich Jogi Löws Style generell super finde.“