Europameisterschaft in Italien: Am 14. Juni 1980 wechselt Trainer Jupp Derwall den 19-Jährigen Lothar Matthäus ein – der die Mannschaft fast um den Sieg bringt.

 

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Diese Geschichte vom 14. Juni 1980 in Neapel beginnt mit einer Schwindelei. „Ich wollte dem jungen Kerl zu seiner Premiere verhelfen“, erinnert sich Deutschlands damaliger Kapitän Bernhard Dietz. 3:0 führt Deutschland durch drei Allofs-Tore gegen den amtierenden Vize-Weltmeister Holland, das Spiel scheint gelaufen. Also täuscht Dietz eine Leistenverletzung vor. Trainer Jupp Derwall reagiert – und wechselt in der 74. Minute den 19 Jahren jungen Lothar Herbert Matthäus ein. Es ist sein erstes Länderspiel.

Lothar Matthäus hat zu diesem Zeitpunkt sein erstes Jahr in der Bundesliga beendet und dabei 28 Spiele für Borussia Mönchengladbach bestritten. Beim letzten Vorbereitungsspiel im Frankfurter Waldstadion für die Europameisterschaft am 13. Mai gegen Polen drückt er die Bank. Auf dem Weg dorthin setzt sich Trainer Derwall im Bus neben ihn: „Lothar, Du fährst zur EM.“ Matthäus bricht in Tränen aus – „Ich habe doch schon den Urlaub gebucht mit meiner Freundin Sylvia!“.

Knapp einen Monat später, es läuft Minute 79 im Spiel gegen die Holländer – als Lothar Matthäus Bennie Wijnstekers foult – eindeutig vor dem Strafraum. Schiedsrichter Robert Wurtz (Frankreich) entscheidet: Elfmeter. „Ich hab mir gedacht: Haust den Zweier vor dem Strafraum um, dann ist die Sache erledigt“, wird Matthäus später sagen. Johnny Rep verkürzt auf 1:3.

Etwas später, die Uhr zeigt die 89. Minute an – als Matthäus im Mittelfeld einen Fehlpass spielt – den Rene van de Kerkhof aufnimmt und aus rund 19 Metern ins Tor schießt. 2:3 – und das Zittern beginnt. Chaos. Mitspieler Karl-Heinz Förster erinnert sich. „Matthäus und Briegel wussten einige Zeit nicht, wer linker Verteidiger spielen sollte.“ Und am Seitenrand ist einer hypernervös: Bernhard Dietz, mit seiner angeblichen Leistenverletzung.

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Der Schlusspfiff beendet das Chaos, Deutschland gewinnt. Ob er nervös gewesen sei, bei seinem ersten Länderspiel, will ein Reporter wissen. „Nervös? Was ist denn das?“ Und so rügt tags darauf das Hamburger Abendblatt das „törichte Foul“ und kommentiert: „Hätte er die Demonstration seines Selbstbewusstseins nicht übertrieben, wäre ihm der Fauxpas nicht unterlaufen.“ Es ist Matthäus‘ letztes Spiel bei diesem Turnier. Sein nächstes findet am 18. November 1981 statt – beim Stand von 5:0 gegen Albanien wird er eingewechselt. Das Spiel endet 8:0.

Quellen: Transfermarkt.de, „Lothar Matthäus – der Leitwolf“ (Ulrich Kühne-Hellmessen und Tom Bender, 2000), 72809616.

Hinweis: Bilder von Ullstein dürfen im deutschen Markt über Getty Images nicht lizenziert werden.