Boris Streubel, 45, ist für Getty Images bei der Europameisterschaft in Frankreich vor Ort und fotografiert in Toulouse und Bordeaux. Als er die Kabine der walisischen Mannschaft betritt, stellt ein Zeugwart eine verblüffende Ähnlichkeit fest. Was dann passiert, ist pure Männerromantik.

Wie sich Fotograf Boris Streubel an diese Geschichte erinnert:

Zu meinem Briefing gehört unter anderem, die Kabinen der Mannschaften drei Stunden vor jedem Spiel zu fotografieren, Diese Bilder stellt die UEFA live auf ihre Seite als Ankündigung zum Spiel. Das erste Spiel in Bordeaux ist Wales gegen Slowakei. Ich betrete die Kabine, als mich ein Kitman (der Zeugwart, der sich um Trikots und Ausrüstung der Spieler kümmert) erblickt – und sagt: „Hey, Du siehst aus wie Joe Allen.“

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Bei der Geburt getrennt: Wer ist Allen? Wer ist Streubel?

Joe Allen ist der heimliche Star der Waliser. Der nicht so heimliche Star der Mannschaft Gareth Bale sagt über ihn: „Ich kann Joe nicht hoch genug loben. Er macht die Drecksarbeit, die vielleicht nicht so wahrgenommen wird. Aber für uns ist er überlebenswichtig.“ Und dem soll ich ähnlich sehen? Seit wann hat der denn einen Bart?

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Allen signiert sein Trikot für seinen „Zwilling“. Der Walisische Zeugwart macht das Bild.

Wales gewinnt das Spiel 2:1. Und Joe Allen wird zum Man of the Match gewählt. Das Ritual eines Sponsors schreibt vor, dass dieser beste Spieler mit einem Fan fotografiert wird, der über eine Verlosung dieses Erlebnis gewonnen hat. Als dieser Fan mich erblickt, sagt er lachend: „Cool, machen wir schnell ein Selfie.“ Erst dann kommt der wahre Allen. Er nimmt mich nicht wahr. Aber ich ihn: Wir sind gleich groß, Bart- und Haarlänge ist identisch – und die Nase passt auch. Ich fotografiere beide.

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Allens Trikot für Streubel: „Für meinen Zwilling“

Ein paar Tage später in Toulouse. Wales gegen Russland. Stunden vor dem Spiel stehe ich vor den Kabinen – und warte darauf, zunächst die russische betreten zu dürfen. Da entdeckt mich wieder der Waliser Kitman. „Hey, Joe Allen gehört zu uns – und nicht zu den Russen“, ruft er und zerrt mich in die Kabine. Hier läuft der Song „Gimme Hope, Jo’anna“, den die beiden Zeugwarte und Helfer lautstark mitsingen: „Give me hope, Joe Allen.“ Dabei lachen alle. Ich fotografiere die Kabine, als der Kitman zu mir kommt – und mir ein Trikot schenkt, beflockt mit ‚Allen‘.

Nach dem 3:0-Sieg der Waliser: Ich gehe noch einmal zur Kabine, ich möchte dieses Trikot signieren lassen. Die Security will mich nicht reinlassen – als die Tür aufgeht, der Kitman mich erkennt und mich reinzieht. Als Allen lachend zu mir kommt, drücke ich dem Kitman mein Handy in die Hand. Allen unterschreibt „To my twin“, „für meinen Zwilling“. Wir klatschen uns ab.

Am Freitagabend, beim Viertfinale gegen Belgien, sitze ich in diesem Trikot vor dem Fernseher. Und drücke „uns Walisern“ die Daumen.