„Als Sport-Fotograf muss man sich immer flexibel an die Gegebenheiten anpassen und überlegen, wie man das beste Motiv aus der jeweiligen Situation herausholen kann.“

Matthias Hangst ist mehrfach für seine außergewöhnlichen Fotografien ausgezeichnet worden. Für sein atemberaubendes Motiv eines High-Diving-Springers bei der FINA-Schwimmweltmeisterschaft in Kazan hat er unter anderem den ersten Platz beim angesehenen Sven Simon Preis erhalten.

„Dieses Foto entstand letztes Jahr während der FINA Schwimmweltmeisterschaft in Kazan, Russland. High Diving ist eine relativ junge Sportart, die durch Red Bull bekannt geworden und seit einigen Jahren als Disziplin im offiziellen Wettbewerb dabei ist. Die Extrem-Sportart hat durch die waghalsigen, akrobatischen Sprünge der Athleten eine hohe Attraktivität für Zuschauer und bietet natürlich auch uns Fotografen außergewöhnliche Motive.

Für den Wettbewerb wurde ein Stahlgerüst-Turm am Kazanka Fluss aufgebaut. Männer springen aus 27 Meter Höhe und Frauen aus 20 Meter. Ihre Bewegungsabläufe beim Sprung sind für Fotografen oft schwer vorhersehbar, weil sie nicht endlos Drehungen und Schrauben machen können, sonst verlieren sie bei dieser Höhe die Orientierung. Aus Sicherheitsgründen müssen sie auch mit den Füßen voran ins Wasser eintauchen, um Kopfverletzungen durch den harten Aufprall zu vermeiden.

Als ich eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung ankam, musste ich schnell überlegen, welche Perspektiven sich am besten für die außergewöhnlichen Motive eignen. Ich habe mich für drei Positionen entschieden: vom Boot, vom Turm und vom Ufer. Es erfordert gute Logistik und perfektes Timing, um alle drei zu ermöglichen.

Erst bin ich auf den Turm gelaufen und habe meine Remote-Kamera aufgebaut, die ich von unten per Funk auslösen kann. Mit dieser Kamera konnte ich die Springer einfangen, als sie nach dem Absprung über der Stadt schwebten.

Dann habe ich das Wetter beobachtet und entschieden, dass ich vom Ufer eine sehr schöne Sicht auf die Springer habe. Die Idee für dieses Motiv war, eine elegante Körperhaltung einzufangen, die perfekt mit der Wolkenformation harmoniert, die sich mittlerweile am Himmel gebildet hatte. Wenn es an dem Tag geregnet hätte, wäre meine Wahl auf ein komplett anderes Motiv gefallen. Als Sport-Fotograf muss man sich immer flexibel an die Gegebenheiten anpassen und überlegen, wie man das beste Motiv aus der jeweiligen Situation herausholen kann.

An dem Bild gefällt mir, dass es dem Betrachter ein Gefühl für die unglaubliche Höhe vermittelt, aus der die Athleten springen. Eine Höhe aus der sie zwei, drei Sekunden durch die Luft fliegen und dann mit bis zu 90 Kilometern in der Stunde aufs Wasser prallen.
Zum Schluss bin ich noch schnell auf ein Boot und habe von dort aus die Springer vor dem Hintergrund des eindrucksvollen Kreml fotografiert. Durch die einzigartige Kulisse wirken die Motive fast surreal.

Zurzeit bereite ich mich unter anderem auf die Olympischen Spiele in Brasilien vor. Ich war mit dem Getty Images Team bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 vor Ort und freue mich darauf, ein weiteres absolutes Top-Event begleiten zu können.“

Die besten Bilder von Matthias Hangst können Sie hier ansehen.

 

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