„Wenn man wie ich Götz George über 40 Jahre immer wieder gegenübergestanden hat, dann ist man natürlich gemeinsam älter geworden. Besonders entspannt war Götz immer, wenn er zusammen mit seiner Lieblingskollegin Christiane Hörbiger drehte.“

Götz George galt als größter deutscher Schauspieler der Gegenwart. Mit der legendären Figur des Tatort-Kommissars Schimanski hat er sich und dem Charme des Ruhrpott-Raubeins ein unvergessliches Denkmal gesetzt. Nun ist der Charakterdarsteller im Alter von 77 Jahren gestorben.

Unzählige Male wurde Götz George auf öffentlichen Auftritten von Peter Bischoff begleitet, eine feste Instanz auf dem Promifotografen-Parkett. Lesen Sie in diesem Interview, was Peter Bischoff mit ihm verband und was den wahren Götz George auszeichnete.

Herr Bischoff, bei welcher Gelegenheit sind Sie Götz George zum ersten Mal begegnet?

Das war 1970 in meinem ersten Jahr als freiberuflicher Fotograf im kleinen Städtchen Delmenhorst bei Bremen, als Götz George zusammen mit seiner damaligen Frau Loni von Friedl und seiner Mutter Berta Drews in dem Theaterstück „Therese Raquin“ auf Tournee ging (Foto ist bei Getty). Null Starallüren. Ich hatte damals als Fotograf und Redakteur eine Doppelfunktion inne und durfte alle Fragen stellen und sogar am Abend Fotos bei der Vorstellung machen. Als wir uns dann elf Jahre später bei einem seiner ersten „Schimanski“-Tatorte wiedersahen, begrüßte er mich wie einen alten Freund und konnte sich noch genau an Delmenhorst erinnern.

Er galt ja als äußerst schwer zugänglicher Mensch. Wie ist es Ihnen als Fotograf gelungen, ihre oft sehr persönlichen Nahaufnahmen einzufangen?

Das schwer zugängliche war eine Erfindung von Presseleuten, die Götz George bei Interviews nach seinem Geburtstag fragten und die Götz dann – zu Recht- stehen ließ. Wer ihm höflich und mit Respekt begegnete dem begegnete auch Götz mit Höflichkeit und Respekt. Er hasste Oberflächlichkeit in Gesprächen, weil das für ihn verschenkte Zeit war. Nicht leiden konnten er auch Fotografen, die mal eben schnell, schnell einfach bei den Proben drauf losknipsten. Wenn man geduldig eine Pause abwartete, bekam man auch tolle Fotos, auf die er sich voll konzentrierte.

George galt als ausgesprochen facettenreicher Schauspieler. Welche seiner Rollen konnte er vor Ihrer Kamera besonders gut wiedergeben? Oder hatten Sie gar das Glück, den wahren George fotografieren zu können?

Götz verkörperte jede Rolle – auch die kleinste – mit voller Kraft voraus. Besonders in Erinnerung ist mir seine Darstellung als Gegenspieler von Hitler in dem 2008 gedrehten ZDF-ORF-SRG-Film „Mein Kampf“. Das war der „wahre George“ – hoch konzentriert vor der Filmkamera und danach auch noch für die Standfotos.

Welches Motiv ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben? Erzählen Sie uns die Geschichte dahinter.

Unvergessen bleiben mir meine Fotos von Götz Georges Auftritt am 10.1.1998 bei Thomas Gottschalk in seiner ZDF-Show „Wetten, dass..?“ in Oldenburg, wo ihm die Fragen von Gottschalk zu seinem Kino-Psycho-Thriller „Solo für Klarinette“ so lapidar erschienen, dass er die Antworten darauf verweigerte und Gottschalk anblaffte: „Komm auf den Film zu sprechen. Das ist mir wichtiger als das, was Du redest.“ Als das Saalpublikum ihn ausbuhte, blieb er dann fast die ganze Zeit fast stumm neben Corinna Harfouch auf der Kandidaten-Couch sitzen. Mit den Wölfen heulen war eben nicht das Ding von Götz George. Trotzdem entschuldigte er sich Wochen später bei Gottschalk und kam dann 2003 erneut in seine Show, wo sie aus Spaß einen erneuten Streit anfingen.

Sie haben ihn über Jahrzehnte begleitet als Fotograf. Glauben Sie, dass Sie seine Entwicklung als Mensch und Schauspieler eingefangen haben in Ihren Bildern?

„Wenn man wie ich Götz George über 40 Jahre immer wieder gegenübergestanden hat, dann ist man natürlich gemeinsam älter geworden. Besonders entspannt war Götz immer, wenn er zusammen mit seiner Lieblingskollegin Christiane Hörbiger drehte. Zu seinem inneren Frieden hat dann sicherlich auch die Liebe zu Marika Ulrich beigetragen, die er Anfang 2014 heiratete. An ihrer Seite gelang es mir dann auch wieder, einen lachenden Götz George auf den Fotos zu zeigen.“

Sie fotografieren seit mehr als fünf Jahrzehnten die deutsche und internationale Unterhaltungs-Prominenz. Wie haben Sie es geschafft, den persönlichen Kontakt herzustellen, um ihre oft sehr intimen Aufnahmen der Stars zu Hause, im Urlaub oder auf Touren zu fotografieren?

„Ein Schlüssel dazu war sicherlich meine Freundschaft zum jetzt leider verstorbenen Berliner TV-Producer Wolfgang Rademann, der mit seinem ZDF-Traumschiff einer ganzen Fernseh-Generation die schönsten und exotischsten Ziele der Welt nahegebracht hat. Ich war von der 1.Folge 1981 so gut wie immer dabei: Jedes Jahr 2 Monate Schiff und dann zwei Monate Landaufnahmen: Von der Karibik bis nach Rio de Janeiro, von Sydney bis nach Hongkong, von Bali bis nach Kapstadt konnte ich über 200 Traumschiff-Stars in den herrlichsten Landschaften, Städten und Naturwundern auf allen fünf Kontinenten am Set und privat fotografieren. Dabei entstanden dann auch viele private Freundschaften, die bis heute andauern.
Alle Stationen der „Traumschiff“-Serie bis Folge 50 habe ich 2005 in meinem beim Henschel Verlag erschienenen Buch „Das Traumschiff – Das Fernwehbuch zur Fernsehserie“ dokumentiert. Da zwischen den Dreharbeiten die Schauspieler auch immer wieder freie Tage hatten, freuten sie sich natürlich, wenn ein weitgereister Globetrotter sie zu einem Ausflug mit der Kamera begleitete.“

Gehört eine besondere ‚Gabe‘ dazu, ein erfolgreicher Celebrity-Fotograf zu sein?

„Das Vertrauen der Künstler bildet die Grundlage, um so einen Job überhaupt ausüben zu können. Dieses Vertrauen muss man aufbauen, Verschwiegenheit ist dabei oberste Pflicht. Wenn man die Top-Stars des Showgeschäfts ständig privat auf Reisen erlebt, bekommt man Dinge mit, die diese nicht unbedingt am nächsten Tag in der Zeitung lesen möchten. Aber nur wer nicht all das fotografiert und schreibt, was er weiß, weiß auch in Zukunft alles.

Verschwiegenheit war die Basis und so entstanden aus gegenseitiger Sympathie freundschaftliche Kontakte. Wie mit Roy Black zum Beispiel, mit dem ich 1969 während einer Mittelmeer-Kreuzfahrt in Tunesien meine erste große Reportage machte oder auch Udo Jürgens, den ich 1968 auf einer Japanreise zum ersten Mal begleitete und der danach nur noch ungern verreiste, wenn ich nicht dabei war.

Nicht zu vergessen Volksmusik-Kaiser und Neu-Rocker Heino, den ich 1970 kennenlernte. Mit ihm verbindet mich bis heute nicht nur wegen der gemeinsamen Skat-Leidenschaft bis heute eine tolle Freundschaft, die jetzt mit dem in Kürze erscheinenden Fotobuch „Heino – Reisen um die ganze Welt – Die schönten Fotos aus 50 Jahren“ einen neuen Höhepunkt erreicht.“

Peter Bischoff begleitet seit über 50 Jahren die prominentesten Stars Deutschlands mit seiner Fotokamera. Dafür hat über 130 Länder besucht und ist fast 100 Mal rund um den Globus gereist. Sein Spezialgebiet ist die private Show- und Prominenten-Fotografie.

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