„Plötzlich fing es an zu regnen … für die anderen Fotografen war die Aufnahme dadurch ruiniert. Sie riefen: „Nimm den Regenschirm runter! Schafft den Typen aus dem Weg!“  Doch für mich entstand so ein einzigartiges Bild.“

– Getty Images Fotograf Gareth Cattermole über seine Fotografie von der Schauspielerin Reese Witherspoon im Regen

Der in London lebende Gareth Cattermole ist Entertainment Staff Photographer bei Getty Images und arbeitet bereits mehr als 12 Jahre für das Unternehmen. Gareth ist auf Mode- und Porträtfotos spezialisiert und verfügt über große Erfahrung in den Bereichen Fashion und Entertainment. Im Laufe seiner Karriere dokumentierte er  viele wichtige Events der Branche, darunter seit 13 Jahren die Londoner Fashion Week. Darüber hinaus berichtete er von den Fashion Weeks in Paris, Berlin und New York sowie den Filmfestspielen in Cannes, Rom, Venedig, Dubai und London. Außerdem war er häufig bei den MTV Awards, The Brits und den BAFTAs tätig.

Gareth hat die „Alternative View“-Kollektion von Getty Images konzipiert und entwickelt. Die Aufnahmen zeichnen sich durch innovative Blickwinkel sowie Postproduktionsmethoden aus und zeigen glamouröse Events aus ungewohnter Perspektive.

 

Wie haben Sie Ihre Karriere als Fotograf begonnen?
Theoretische Fächer haben mich in der Schule nie interessiert. Ich liebte Kunst und draußen zu sein. Ich konnte mich niemals zum Lernen hinsetzen und hasste alle Fächer außer Kunst, bis mich ein Lehrer in die Fotografie einführte.

Ich studierte am West Herts College in Watford. In meinem letzten Jahr dort war ich mit meinen Eltern einkaufen, als mein Vater eine Ausgabe des British Journal of Photography in die Hand nahm und eine Anzeige für Celebrity-Fotografen von „Big Pictures“ entdeckte. Ich war von der Idee nicht gerade begeistert, weil ich nicht unbedingt ein Fan von Prominenten bin, aber meine Mutter und mein Vater sagten beide: „Manchmal muss man Dinge tun, die man nicht will, um seine Ziele zu erreichen.“ Also ging ich zum Vorstellungsgespräch. Ich war sehr jung und absolut unerfahren, aber sie haben mich sofort zurückgerufen und ich hatte den Job. Für diese Chance werde ich immer dankbar sein. Jeden Tag Fotos machen, das war mein einziger Wunsch.

Ich blieb ungefähr drei Jahre bei dem Unternehmen, reiste viel und habe als Paparazzo unglaublich viel gelernt – dafür schäme ich mich kein Stück. Im Jahr 2002 kam Getty Images auf mich zu und ich wechselte den Arbeitgeber. Dort bin ich bis heute geblieben.

Hatten Sie in Ihren Anfangstagen einen Mentor? Und was wurde Ihnen beigebracht?
Ich hatte im Laufe meiner Karriere einige Mentoren, aber die zwei wichtigsten waren MJ Kim und Andy Zakeli, beides außergewöhnliche Fotografen. Andy und ich arbeiteten während meiner Zeit bei Big Pictures zusammen und er brachte mir bei, wie man mit Frustrationen in diesem Job umgeht und wie man Nachteile in Vorteile verwandelt. Er war eine große Unterstützung während meiner gesamten Karriere und ist einer der besten Fotografen Australiens.

MJ Kim war mein Senior Photographer bei Getty Images und hat mir fast alles beigebracht, was ich heute weiß. Angefangen bei der Ausleuchtung und technischen Aspekten bis hin zum Umgang mit Kunden. Als er zu Getty Images wechselte, nahm er mich unter seine Fittiche. Wir arbeiteten und reisten immer zusammen. Er zeigte mir, wie wichtig der richtige Umgang mit Menschen ist.

An allererster Stelle stehen natürlich meine Eltern, die mich in allen Entscheidungen unterstützt haben und immer für mich da waren. Die ersten Jahre waren hart für mich und meine Karriere hatte Höhen und Tiefen, aber meine Eltern standen immer hinter mir und ich wäre ohne diese wunderbaren Menschen heute nicht dort, wo ich bin.

Welche wichtigen Lektionen haben Sie in der Anfangsphase Ihrer Karriere gelernt?
Ich habe als Paparazzo begonnen, also bezogen sich all meine frühen Lektionen auf diese Art von Arbeit. Das Fotografieren an sich war nicht der schwierige Teil. Das, was ich wirklich schnell lernen musste, war, wie ich in die richtige Position für gute Aufnahmen komme. Man muss auch wissen, wie man nicht gesehen wird, denn so erhält man bessere Bilder. Ich habe mich niemals für meine Aktionen geschämt, denn diese Fähigkeiten nutze ich täglich für meine Arbeit. Wenn ich hinter den Kulissen fotografiere, versuche ich, mich unter die Leute zu mischen und nicht aufzufallen, denn so wirken die Aufnahmen natürlicher.

Letzten Endes habe ich gelernt, dass meine Eltern Recht hatten: Manchmal muss man Dinge tun, die man nicht will, um seine Ziele zu erreichen. Es war niemals ein Traum von mir, Paparazzo zu werden, aber es war mein Einstieg in die Branche und diese Chance habe ich ergriffen. In Zeiten von Digitalkameras und Social Media ist quasi jeder ein Fotograf – ich musste noch ein Print-Portfolio mit mir herumtragen, wenn ich Arbeit suchte. Aber wie es der Zufall wollte, erhielt ich schon nach meinem ersten Bewerbungsgespräch einen Job.

Man sollte auch nicht zu viel auf einmal wollen und zunächst kleine Schritte machen, das Handwerk von denen lernen, die mehr Erfahrung haben. Die Bedeutung von Respekt und Bescheidenheit darf man auch nicht unterschätzen.

Welcher Rat hat Sie bis heute begleitet?
Der wichtigste Rat, den ich jemals erhalten habe, stammt von MJ Kim: man muss wissen, wie man mit Menschen umgeht. Er brachte mir bei, dass dies 70 % des Jobs ausmacht, die eigentliche Fotografie lediglich die letzten 30 %. Man kann der weltbeste Fotograf sein, aber wenn es dir nicht gelingt, eine Vertrauensbasis aufzubauen oder hinter die Kulissen einer Modenschau zu kommen, wenn sich ein PR-Berater querstellt, bekommt man keine Bilder. Man muss mit Menschen umgehen können, Kontakte aufbauen und pflegen und verstehen, dass großartige Fotografen sich nicht nur durch ihre Arbeit definieren, sondern auch über das, was sie als Persönlichkeit ausstrahlen.

Haben Sie beim momentanen Stand Ihrer Karriere immer noch das Gefühl, zu lernen?
Ich lerne jeden Tag. MJ sagte immer, dass wir als Fotografen niemals aufhören, zu lernen, und dass wir das auch nicht dürfen, wenn wir erfolgreich sein wollen.

Wir müssen neue Methoden und Verfahren lernen, um uns selbst und unsere Arbeit weiterzuentwickeln. Ich habe immer noch einige Mentoren, besonders bei Getty Images, die mir auf verschiedene Weise helfen.

MJ ist immer noch mein wichtigster Mentor und an ihn wende ich mich, wenn ich einen Rat brauche. Er lebt jetzt in LA, aber wir sprechen immer noch regelmäßig miteinander. Außerdem ist das Internet eine hervorragende Wissensquelle. Ich mag es, mich mit YouTube-Videos weiterzubilden oder Blogs über neue Technologien oder Gadgets zu lesen. Auch alte Dokus und Interviews mit Fotografen inspirieren mich, weiterhin zu lernen.


 

Das Neueste von Gareth Cattermole auf Getty Images

 

Weitere Informationen finden Sie unter: garethcattermole.com